Posted by on Nov 14, 2016 in Geschäft, Humanities, Kommunikation, Nachrichten und Gesellschaft, Unternehmergeist, Wirtschaft |

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Für den Internationalen Ski-Verband FIS, der 1994 ins Snowboard-Geschäft einstieg, hatten die Vertreter der konkurrierenden ISF nie mehr als ein Lächeln übrig. Das Lachen ist ihnen vergangen: Geld ist kaum mehr vorhanden und ein Exodus der Fahrer droht.

Im Dezember 1998 schienen in der International Snowboard Federation (ISF) die finanziellen Probleme vom Tisch. Der damalige Schweizer Präsident Bertrand Denervaud konnte der Öffentlichkeit einen neuen potenten Tour-Hauptsponsor präsentieren. Von einem Support in der Höhe von rund sieben bis zehn Millionen Dollar pro Saison war die Rede. Von einer Masters-Serie mit hohen Preisgeldsummen träumten die ISF-Macher, global sollte die neue Tour ausgerichtet sein.
bbNun, zwei Jahre nach dem vermeintlichen Sponsoren-Coup ist von der Goldgräberstimmung nichts mehr übrig. Dem Aufbruch folgte quasi der Zusammenbruch. Der Hauptsponsor verabschiedete sich schon vor Monaten, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, aus dem Dreijahresvertrag und hinterliess weitgehend ratlose ISF-Verantwortliche. Diesem unverzüglichen Austritt folgte wenig später der Konkurs der «Boardercross Marketing Consulting GmbH» (BMC). Mit dem Bankrott der BMC verlor die ISF einerseits eine beträchtliche Summe Geld, auf der anderen Seite war die Boardercross-Wettkampf-Serie gleichzeitig zum Scheitern verurteilt.

Präsident als Einzelkämpfer

aaJohn Bache, Präsident und CEO der ISF in Personalunion, sprach von den «härtesten Monaten in der Geschichte der ISF». Man habe die Probleme intern geortet, wirklich konkrete Lösungsvorschläge, wie sein Verband die eklatanten Finanzprobleme in den Griff bekommen könnte, waren vom Neuseeländer aber keine zu hören. Stattdessen liess er via Internet verbreiten, die derzeit knieende ISF werde aufstehen und «stärker denn je in den Ring zurückkehren». Wohl kaum, könnte man da anfügen. Der Zustand der ISF ist nicht nur lamentabel, sondern alarmierend. Über einen Tourmanager verfügt sie nicht mehr, der Titelsponsor fehlt ebenso, Bache ist zum Einzelkämpfer mutiert.Von der einst stolzen Wettkampf-Tour ist wenig übrig geblieben. Unlängst meldete sich mit der österreichischen Station Sölden ein weiterer Veranstalter ab, womit der mickrige Kalender nur noch acht Events umfasst. Vier davon (zweimal Laax, Leysin und Davos) finden in der Schweiz statt. Dass sich für eine derart redimensionierte ISF-Profi-Tour kaum mehr Sponsoren finden lassen, ist selbstredend.Die FIS dagegen bietet ihren Snowboard-Fahrern mit 15 Stationen und je 46 Rennen für die Männer sowie Frauen vergleichsweise paradiesische Zustände; und die Gesamt-Preisgeldsumme bewegt sich in zweifacher Millionenhöhe. Zahlreiche ISF-Boarder haben bereits FIS-Lizenzen gelöst und dürften spätestens nach den Olympischen Spielen «überlaufen». Olympiasieger Gian Simmen erwägt gar, sich nach Salt Lake City nur noch auf Werbeprojekte zu konzentrieren. Wo der grosse Rest der vielen Schweizer ISF-Boarder fahren wird, ist ungewiss.

Grosse Laaxer Probleme

cc«Ich erlebe diese Konstellation nun bereits zum vierten Mal», sagt Ariane Ehrat, die Laaxer OK-Verantwortliche für den so genannten ISF-Take-off am Grap Sogn Gion, zur schwierigen Situation der ISF. Derart prekär sei die Lage aber wohl noch nie gewesen. Eine Absage der Halfpipe- und Alpinwettkämpfe sei in Laax aber trotzdem nicht zur Debatte gestanden. «Wegen des fehlenden ISF-Titel-Sponsors müssen wir aber massive Einsparungen vornehmen.» Wie sich die nähere Zukunft der Laaxer Weltcup-Rennen präsentiert hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Verträge mit den Hauptgeldgebern UBS, Nescafé und Swisscom laufen bald aus.«Es ist für Verhandlungen mit Sponsoren wichtig, dass die Veranstaltung zu einer geregelten Tour gehört», so Ariane Ehrat, «sonst fehlt der rote Faden.» Letztlich sei entscheidend, dass die besten Rider am Start stehen und die Medialisierung stimmt. Nicht nur in Laax werden sie die negative Entwicklung der ISF demzufolge genau beobachten. «Wir müssen uns überlegen, ob wir eine neue Serie bilden. In der Leichtathletik gibt es eine Golden League, vielleicht sollten wir auch im Snowboard eine solche Form ins Auge fassen.» Ehrat betont aber, dass momentan keine Pläne existieren. Selbst einen Übertritt in den FIS-Weltcup schliesst sich nicht aus.

Handlungsunfähige ISF

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Peter Bayer, der als Vertreter der Fahrervereinigung im neun-köpfigen ISF-Vorstand einsitzt, mag nicht alles dramatisieren, ist sich des Ernsts der Lage aber durchaus bewusst. «Wir waren im Sommer, als uns das Geld der BMC fehlte, faktisch handlungsunfähig. Das kann und will ich nicht in Abrede stellen.» Dass mittlerweile rund die Hälfte der Fahrer ihren Mitgliederbeitrag (rund 3000 Franken für die Rennlizenz) einbezahlt hat, wertet Bayer als Zeichen der Solidarität. «Zudem haben wir wieder etwas Handlungsspielraum.»Die ISF, das steht aber fest, wird in ihrer jetzigen Form kaum noch lange existieren. Deshalb wollen Bayer und seine PSA die Tour-Vermarktung ausgliedern: «Wir wollen keine eigene PSA-Tour gründen, das Logo der ISF soll enthalten bleiben.» Die PSA wolle künftig aber selber mit den Veranstaltern verhandeln, sagt Bayer. «Die ISF soll sich wieder darauf beschränken, Verbandsaufgaben zu machen und die Kontakte zu den Nationalverbänden zu pflegen.»