Posted by on Nov 14, 2016 in Geschäft, Humanities, Kommunikation, Nachrichten und Gesellschaft, Unternehmergeist, Wirtschaft | 0 comments

Als die FIS ins Snowboard-Business einstieg, hatte der konkurrierende Verband ISF nie mehr als ein Lächeln für sie übrig. Das Lachen ist nun vergangen: Der ISF-Rennkalender umfasst höchstens noch acht Events, Geld ist keines mehr vorhanden und ein Exodus der Rider droht.

s Snowboard – Im Dezember 1998 schienen in der International Snowboard-Federation (ISF) die finanziellen Probleme vom Tisch. Der damalige Schweizer Präsident Bertrand Dener-vaud konnte der Öffentlichkeit mit dem amerikanischen Kommunikationsunternehmen Motorola einen neuen Tour-Hauptsponsor präsentieren. Von einem Support in der Höhe von 7 bis 10 Millionen Dollar pro Saison war die Rede. Von einer Masters-Serie mit astronomischen Preisgeldsummen träumten die ISF-Macher, global sollte die neue Tour ausgerichtet sein.

s1Nun, zwei Jahre nach dem vermeintlichen Sponsoren-Coup ist von der Goldgräberstimmung nichts mehr übrig. Dem Aufbruch folgte quasi der Zusammenbruch. Motorola verabschiedete sich vor Monaten, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, aus dem Dreijahresvertrag und hinterliess ratlose Verantwortliche. Dem Austritt der Amerikaner folgte wenig später der Konkurs der «Boardercross Marketing Consulting GmbH» (BMC). Mit dem Bankrott der BMC verlor die ISF einerseits eine beträchtliche Summe Geld, auf der anderen Seite war die Boardercross-Wettkampf-Serie damit zum Scheitern verurteilt.

ISF-Präsident als Einzelkämpfer

John Bache, Präsident und CEO der ISF in Personalunion, sprach von den «härtesten Monaten der ISF». Man habe die Probleme intern geortet, wirklich konkrete Lösungsvorschläge, wie sein Verband die Finanzprobleme in den Griff bekommen könnte, waren vom Neuseeländer aber keine zu hören. Stattdessen liess er verbreiten, die derzeit knieende ISF werde aufstehen und «stärker denn je» in den Ring zurückkehren.

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Wohl kaum, könnte man da anfügen. Der Zustand der ISF ist höchst alarmierend. Über einen Tourmanager verfügt sie nicht mehr, der Titelsponsor fehlt ebenso, Bache ist ungewollt zum Einzelkämpfer mutiert. Von der stolzen Tour ist wenig übrig geblieben. Unlängst meldete sich mit Sölden ein weiterer Veranstalter ab, womit der Kalender nur noch acht Events umfasst. Vier davon (zweimal Laax, Leysin und Davos) finden in der Schweiz statt. Dass sich für eine derart redimensionierte Profi-Tour kaum mehr Sponsoren finden lassen, ist selbstredend.
Die FIS bietet ihren Fahrern mit 15 Stationen und insgesamt je 46 Rennen für Männer sowie Frauen vergleichsweise paradiesische Zustände; die Preisgeldsumme bewegt sich in zweifacher Millionenhöhe. Zahlreiche ISF-Cracks haben bereits FIS-Lizenzen gelöst und dürften spätestens nach den Olympischen Spielen «überlaufen». Olympiasieger Gian Simmen erwägt gar, sich nach Salt Lake City nur noch auf Werbeprojekte zu konzentrieren. Wo der Rest der Schweizer ISF-Boarder fahren wird, ist ungewiss.

Laaxer Probleme

s6«Ich erlebe diese Konstellation nun zum vierten Mal», sagt Ariane Ehrat, die Laaxer OK-Verantwortliche für den ISF-Take-off am Grap Sogn Gion, zur schwierigen Situation. Derart prekär sei die Lage aber noch nie gewesen. Eine Absage der Halfpipe- und Alpinwettkämpfe sei in Laax aber trotzdem nicht zur Debatte gestanden. «Wegen des fehlenden ISF-Titel-Sponsors müssen wir aber Einsparungen vornehmen.» Wie sich die Zukunft der Laaxer Rennen präsentiert hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Verträge mit den Hauptgeldgebern UBS, Nescafé und Swisscom laufen demnächst aus.

«Es ist für Verhandlungen mit Sponsoren wichtig, dass die Veranstaltung zu einer geregelten Tour gehört», so Ehrat, «sonst fehlt der rote Faden.» Letztlich sei entscheidend, dass die besten Rider am Start stehen und die Medialisierung stimmt. Nicht nur in Laax werden sie die negative Entwicklung der ISF demzufolge beobachten, auch in anderen Resorts. «Wir müssen uns überlegen, ob wir eine neue Serie bilden. In der Leichtathletik gibt es eine Golden League, vielleicht sollten wir auch im Snowboard eine solche Form ins Auge fassen.» Ehrat betonte aber, dass momentan keine konkreten Pläne existieren. Selbst einen Übertritt in den FIS-Weltcup mochte sie nicht ausschliessen.
s5Peter Bayer, der als Vertreter der Fahrer im ISF-Vorstand einsitzt ist sich dem Ernst der Lage durchaus bewusst. «Wir waren im Sommer handlungsunfähig. Das kann ich nicht in Abrede stellen.» Dass nun die Hälfte der Fahrer ihren Mitgliederbeitrag (3000 Franken) einbezahlt hat, wertet Bayer als Zeichen der Solidarität. Die ISF wird in ihrer jetzigen Form kaum lange weiter existieren. Deshalb wollen Bayer und seine PSA die Vermarktung der Tour aus der ISF ausgliedern: «Wir wollen keine eigene PSA-Tour gründen, das Logo der ISF soll enthalten bleiben.» Die PSA wolle selber mit den Veranstaltern verhandeln. «Die ISF soll sich darauf beschränken, Verbandsaufgaben zu machen und die Kontakte zu pflegen.»