Posted by on Nov 14, 2016 in Geschäft, Humanities, Kommunikation, Nachrichten und Gesellschaft, Unternehmergeist, Wirtschaft |

Die Zukunft des Davoser WEF ist ungewisser denn je. Bis Mitte November will die Bündner Regierung entscheiden, ob die Sicherheit gewährleistet sein kann. Bei den Einheimischen sind die Gefühle gemischt.

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Am 4. September zeigte sich die Bündner Regierung in Bezug auf die zukünftige Durchführung des Weltwirtschaftsforums (WEF) vorsichtig optimistisch – eine Woche später folgten die Terroranschläge in den USA. Damit wurde für die kantonalen Behörden die Beurteilung der Sicherheitslage für das alljährlich stattfindende Forum noch schwieriger. «Das Risiko ist gestiegen», sagt der Kommandant der Bündner Kantonspolizei, Markus Reinhardt. Man werde sich «auf den schlimmsten Fall» vorbereiten, machte der Kapo-Chef den Davosern klar.
Ob Reinhardt Ende Januar seine Mannen in Davos aufmarschieren lassen muss, ist alles andere als sicher. Für Anfang November ist nach den Worten von Regierungsrat Stefan Engler ein Treffen von Bund, Kanton, Landschaft geplant mit dem Ziel, bis Mitte November einen Entscheid über die WEF-Durchführung zu fällen.

Verunsicherung gewachsen

j3Grossrat Martin Schmid, der Präsident der parlamentarischen Kommission, welche den WEF-Bericht vorbereitet, äusserte seine «Zweifel, ob das WEF überhaupt noch im selben Umfang wie früher durchgeführt werden kann». Und die Kritiker wurden nicht leiser, als sie von Finanzdirektorin Eveline Widmer-Schlumpf erfuhren, dass die Kosten für die Sicherheitsmassnahmen den Kanton mit zehn Millionen belasten werden.

Leise gewordene Kritiker

A man walks at the main entrance of the congress center where the World Economic Forum will take place later this week in Davos, Switzerland, Monday Jan. 18, 2016. The world's political and business elite are being urged to do more than pay lip service to growing inequalities around the world as they head off for this week's World Economic Forum in the Swiss ski resort of Davos.iss Alpine town of Davos this week. (AP Photo/Michel Euler)

Doch dann trat vor einer Woche WEF-Gründer Klaus Schwab vor die Davoser. Rund 300 Einheimische bekamen ein flammendes Plädoyer zu hören, in dem sich Schwab für sein WEF und Davos stark machte. «Will man die Ziele der Terroristen unterstützen und einfach klein beigeben?» Gegen Fundamentalisten bestehe nur, wer ihnen fundamentalistische Überzeugungen entgegensetze. «Jetzt, da die Welt den Geist von Davos wirklich braucht, werden wir hoffentlich zusammenstehen.» Solche Worte waren Balsam auf die geschundenen Seelen der verunsicherten Davoser.Nach den Terroranschlägen wuchs in grossen Teilen der Davoser Bevölkerung die Angst. Vereinzelt meldeten sie sich in Leserbriefen zu Wort oder machten ihrem Unmut mit der Ankündigung einer IG «Davos ohne WEF» Luft. Wie jener Boutiquenbesitzer, der das WEF mit hohen Umsatzeinbussen für das lokale Gewerbe in Zusammenhang brachte und kurzerhand dessen Abschaffung verlangte. Einer forderte ein Forum-freies Bedenkjahr, ein anderer gab zu bedenken, dass der Ruf von Davos als Tourismusort auf 100 Jahre hinaus zerstört würde, wenn es zu einem Anschlag käme. Das war alles. Mehr wollten oder wagten sich nicht zu exponieren. Einer tat es vor wenigen Tagen trotzdem.j2

Alt Nationalrat Martin Bundi (SP) sprach sich in der «Südostschweiz» für die Umwandlung des WEF in ein «World Peace Forum»: «In Davos treffen sich jährlich während einer Woche gleich viele Vertreter der folgenden vier Gruppen: der Politik, der Friedensorganisationen und -institutionen, der Wirtschaft und der Umweltverbände.» Damit könnte sich ein echter Geist von Davos entwickeln, der auch für Graubünden und die Schweiz bedeutend wäre. Ob Bundi, Schwab oder beide ihr Ziel erreichen werden, ist offen. Am Schluss werden nicht Idealismus und Visionen über das WEF 2002 entscheiden, sondern allein die Gewährleistung eines sicheren Anlasses. Und diese hängt am Schluss nicht von guten Vorsätzen, sondern von ein paar hundert Sicherheitskräften ab.