Posted by on Nov 14, 2016 in Geschäft, Humanities, Nachrichten und Gesellschaft, Unternehmergeist, Wirtschaft | 0 comments

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«Wir bedauern, und wir verstehen.» So oder ähnlich äusserten sich Bundesrat Pascal Couchepin, der Bündner Regierungsrat Klaus Huber und der Davoser Landammann Erwin Roffler zur Verlegung des World Economic Forum 2002 (WEF) von Davos nach New York. Alle drei kommentierten gestern diese Neuigkeit, die spätestens seit vorgestern Morgen keine mehr war.
Sie zeigten Verständnis dafür, dass WEF-Gründer und -Präsident Klaus Schwab ein Zeichen gegen den Terrorismus setzen will. Dies fiel ihnen umso leichter, als die Veranstaltung unter dem Titel «Davos in New York» stattfinden soll, wodurch der Schweiz trotz allem ein Auftritt auf der Weltbühne gesichert bleibt. Gleichzeitig könne unser Land einen «Beitrag an die Solidarität mit einer verletzten Stadt» leisten, sagte Huber.

Sicherheit wäre nicht gewährleistet

e2Der Bündner Volkswirtschaftsdirektor gab auch zu erkennen, weshalb sich das Bedauern trotz Verlusten fürs Image und für den Tourismus in Grenzen hält: «Die Sicherheit für das WEF 2002 wäre nicht gewährleistet gewesen.» Und zwar weil nicht genügend Polizeikräfte aus andern Kantonen zur Verfügung gestellt worden wären. Ohne Verstärkung insbesondere aus den «Demo-erprobten» städtischen Polizeikorps könne Graubünden den Sicherheitsauftrag jedoch nicht erfüllen.

WEF 2003 in Davos vorbereiten

Das Bedauern wird sich noch mehr in Grenzen halten, wenn das WEF 2003 tatsächlich wieder in Davos stattfinden kann. Dafür wollen sich nun der Bund, der Kanton Graubünden und die Landschaft Davos einsetzen. Die Behörden und die Bevölkerung von Davos stünden mehrheitlich hinter dem WEF, betonte Roffler, und auch Huber will die über 30-jährige Geschichte dieser Veranstaltung weiterführen und damit den viel zitierten «Spirit of Davos» weiterleben lassen. Couchepin sicherte zu, der Bund werde alles unternehmen, das WEF in der Schweiz zu behalten. Bis Ende Jahr wird sein Departement dem Bundesrat ein Diskussionspapier vorlegen, in dem die Rolle und die Möglichkeiten des Bundes zur Unterstützung der Veranstaltung dargelegt sind. Gleichzeitig lancierte Couchepin einen Aufruf an die Kantone, das ihrige zur Sicherung des WEF in Davos beizutragen. Bereits heute wird sich Justiz- und Polizeiministerin Ruth Metzler mit den kantonalen Polizeidirektoren über dieses Thema unterhalten. Eile ist insofern geboten, als spätestens am WEF 2002 über den Veranstaltungsort im Jahre 2003 informiert werden muss.f

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Doch die Sicherheitsprobleme werden sich 2003 kaum anders stellen als 2002. Zwar möchten alle ein friedliches WEF, das auch den Globalisierungskritikern eine Plattform bietet. Aber Huber machte auch klar, dass Davos schon aus Platzgründen niemals absolute Demonstrationsfreiheit gewähren könne. Das Dilemma ist also aufgeschoben, aber längst nicht aufgehoben.